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Veränderungen sind möglich – Weltmädchentag 2017

Weltmädchentag 2017

Heute ist Weltmädchentag, der „International Day of the Girl Child“. Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2011 den 11. Oktober offiziell zum Weltmädchentag erklärt. Aber wozu braucht man eigentlich einen Weltmädchentag? Ist nicht alles super hier?

Seit ungefähr einem Monat arbeite ich nun bei der Hilfsorganisation CARE im Rahmen meines Bundesfreiwilligendienstes und täglich erreichen mich Geschichten von Menschen aus der ganzen Welt. Es gibt weltweit so viele Krisen und durch meine Arbeit bei CARE weiß ich immer ganz genau, was wo gerade passiert, denn CARE ist in 94 Ländern der Welt aktiv.

In der Blase unseres Alltags vergessen wir jedoch oft, dass Gleichberechtigung von Männern und Frauen in vielen Teilen der Welt immer noch nicht Realität ist. Also, ja, hier ist in vielen Aspekten alles super, aber wie sieht es zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo aus?

Gestern habe ich zwei Texte aus Kongo übersetzt, in denen ein sechzehnjähriges Mädchen davon berichtete, wie sie auf dem Weg zu einem Nachbarn von zwei Männern vergewaltigt und am Ende von ihrer Mutter dafür bestraft wurde. Sie bringe Schande in die Familie. Es sei ihre Schuld. So lautet die weit verbreitete Regel.

„Ihr Frauen und Mädchen seid minderwertige Menschen. Das ist Gottes Wille und nichts wird sich daran ändern.“ Das sagte ein alter kongolesischer Mann zu einer unserer CARE Mitarbeiterinnen, die seit vielen Jahren mit anderen Frauen und Männern in Kongo gegen geschlechterspezifische Gewalt und für die Gleichstellung von Mann und Frau kämpft.

Der Weltmädchentag ist wichtig, damit wir uns alle heute daran erinnern, dass es Mädchen und Frauen nicht überall auf der Welt so gut geht, wie es den meisten von uns geht.

Denn:

Weltweit erhalten 61 Millionen Mädchen im Schulalter keine Bildung[1]. Warum? Weil sie Mädchen sind.

120 Millionen Mädchen und junge Frauen unter 20 – also rund jede zehnte –haben in ihrem Leben bereits sexuelle Gewalt erfahren [1]. Warum? Weil sie Mädchen sind.

Rund 750 Millionen Frauen und Mädchen leben heute, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet waren [1]. Warum? Weil sie Mädchen sind.

Das muss sich ändern.

Am meisten haben mich allerdings die Ratschläge von vier syrischen Mädchen berührt, die anlässlich des Weltmädchentags von ihren Träumen und Wünschen erzählten, die sie trotz des Krieges nicht aufgeben wollen. Sie alle hatten Pläne für ihre Zukunft, bis all diese Pläne über Nacht zerstört wurden. Trotzdem geben sie nicht auf, sondern wollen die Schule beenden und mehr sein als nur vier Mädchen, die im Krieg alles verloren haben. Eine von ihnen möchte Richterin werden und schämt sich nicht für ihren Wunsch. Sie möchte anderen Mädchen ihre Rechte bewusst machen und allen zeigen, dass Veränderungen möglich sind. Diese vier Mädchen erzählen mit so viel Weisheit, dass ich mir am Ende, als ich die Texte für unsere CARE Webseite übersetzt hatte, ganz klein vorkam.

Am Weltmädchentag möchte ich an alle Mädchen denken, denen es nicht so gut geht wir mir. Die hart dafür arbeiten müssen, ihre Träume verwirklichen zu können. Und ich möchte mir ein Beispiel an diesen vier jungen und starken syrischen Mädchen nehmen, die trotz aller Hindernisse immer wieder aufstehen und selbstbewusst nach vorne schauen, um ihrer Zukunft ins Gesicht blicken zu können.

 

 

[1] https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/2014/weltmaedchentag/61114