Blog, Chile

Regen in der trockensten Wüste der Welt? El desierto de Atacama

Die trockenste Wüste der Welt blüht in sattem Grün.

Unendliche Weite, sprudelnde Geysire, weiße Salzkruste so weit das Auge reicht und schneeweiße Vulkane am Horizont. Die Atacama Wüste ist die trockenste Wüste der Welt und doch konnte ich mich kaum vor dem unaufhaltsamen Regen schützen. Wie es dazu kam, erzähle ich euch jetzt.

 

Das Regenbogental in der Atacama Wüste.

Das Regenbogental in der Atacama Wüste. (Foto: Mia Veigel)

Flamingos, die in den Salzseen der Atacama Wüste leben. (Foto: Mia Veigel)

Flamingos, die in den Salzseen der Atacama Wüste leben. (Foto: Mia Veigel)

Salar de Aguas Calientes in der Atacama Wüste.

Salar de Aguas Calientes in der Atacama Wüste. (Foto: Mia Veigel)

Heute vor einem Jahr bin ich vom tiefsten Süden Chiles in den trockenen Norden des Landes gereist. Auch ein Jahr danach erinnere ich mich noch lebhaft an die Ereignisse, die dort am anderen Ende der Welt auf mich warteten.

Am 26. Januar 2017 flog ich von der Hauptstadt Santiago de Chile nach Calama, eine Wüstenstadt in Chiles Norden. Mein Ziel war jedoch das kleines Wüstendorf San Pedro de Atacama, das inmitten der schneeweißen Vulkane und der unendlichen Weite der Wüste liegt.

Ich nahm also den Bus von Calama nach San Pedro und während der Fahrt nickte ich immer wieder ein, erschöpft von der langen Reise. Schon im Bus waren mir die Menschen aufgefallen, die so anders aussahen als im Süden des Landes. Ich konnte kaum glauben, dass ich mich noch in ein und demselben Land befand. Das liegt wohl daran, dass sich das Land Chile über 4375 Kilometer erstreckt und im Norden an Peru und Bolivien grenzt.

Während ich also in dem schaukelnden Bus saß und durch das Fenster beobachtete, wie die nahende Dämmerung langsam die mysteriöse Wüstenlandschaft um mich herum verschluckte, schnappte ich auf einmal ein paar Gesprächsfetzen auf. Meine Sitznachbarin plapperte mit ihrem Handy am Ohr vor sich hin und ich hörte das Wort „Regen“ heraus. Das schien mir sehr unwahrscheinlich, dass es in der trockensten Wüste der Welt regnen sollte und ich nickte wieder ein, obwohl am Horizont Blitze aufzuleuchten schienen.

Was in den nächsten Stunden passierte, ist mir bis heute noch so lebhaft vor Augen, dass es mir jetzt noch manchmal mulmig zumute wird, wenn ich daran denke. In stockdunkler Finsternis kam ich in dem Wüstendorf San Pedro de Atacama an. Es hatte tatsächlich seit ein paar Tagen wie aus Kübeln geregnet und immer wieder hörte ich den Begriff „Bolivianischer Winter“. Wie ich lernte kommt es zu dieser Jahreszeit oft dazu, dass sich von Bolivien aus dicke Regenwolken über Chiles Wüste abregnen und ganz selten blüht plötzlich in der trockensten Wüste der Welt ein Meer aus Blumen.

Die trockenste Wüste der Welt blüht in sattem Grün.

Die trockenste Wüste der Welt blüht in sattem Grün. (Foto: Mia Veigel)

Mein erster Eindruck dieses Phänomens war allerdings nicht annähernd so romantisch wie ein Meer aus Blumen. Der viele Regen hatte zu einem Stromausfall des gesamten Dorfes geführt und der Regen stürzte die unbefestigten Straßen hinunter. Zu allem Unglück gab auch noch mein Handy den Geist auf, wodurch ich keine Chance auf eine Taschenlampe in dieser Finsternis hatte. Ich stiefelte also alleine los, mit nichts als meinem Gepäck und konnte noch nicht einmal meine Hand vor Augen sehen.

Mit der Zeit machte sich Verzweiflung in mir breit, nachdem ich mehrmals an ein paar Lehmhäusern vorbeigelaufen war, die eigentlich meine Unterkunft hätten sein sollen. Die angegebene Adresse schien falsch zu sein. In Gedanken malte ich mir schon die schlimmsten Szenarien aus, die mir an diesem fremden und ungemütlichem Ort passieren könnten, wenn ich nicht bald Hilfe fand. Nach einer halben Ewigkeit purer Angst und Verzweiflung, sah ich in der Ferne eine Taschenlampe aufleuchten.

Meine Retter waren vier chilenische Jugendliche, die kaum glauben konnten, dass ich ganz alleine als Fremde in der Dunkelheit herumirrte. Sie führten mich ein paar Meter weiter zu einem Tor, um mich dort abzusetzen. Wieder alleine musste ich jedoch feststellen, dass nirgendwo Licht brannte, als zu allem Unglück sich auch noch das Bellen von Hunden immer lauter näherte. Schließlich entdeckte ich eine Glocke, die ich läutete und bald erschien im Dunkeln der Nacht eine ältere Dame, die ganz überrascht zu sein schien, dass ich eine Übernachtung bei ihr gebucht hatte. Meine Zimmergenossin war eine Brasilianerin aus Sao Paulo und schon bald hatte ich mich von meinem Schrecken erholt.

Die nächsten Tage waren vom Gegenteil meiner ersten Erfahrung gezeichnet, denn es stellte sich heraus, dass San Pedro ein wunderschönes und trotz der immer wieder neu ankommenden Touristen idyllisches Dorf ist, indem ich mich sehr sicher fühlte. Außerdem ist die Atacama Wüste ein unglaublich magischer Ort, der mich vom ersten Moment an in den Bann gezogen hat. Niemals hätte ich gedacht, dass eine Wüste so vielseitig sein kann. Über Flamingos, die in Salzseen leben, bis hin zu schneebedeckten Vulkanen und einer Mondlandschaft, die einen an Wunder glauben lässt.

Das Mondtal der Atacama Wüste. (Foto: Mia Veigel)

Mia im Mondtal der Atacama Wüste in Chile.

 

Es regnet in der Atacama Wüste, der trockensten Wüste der Welt.

Es regnet in der Atacama Wüste, der trockensten Wüste der Welt. (Foto: Mia Veigel)

Geysire in der Atacama Wüste.

Sprudelnde Geysire in der Atacama Wüste. (Foto: Mia Veigel)

Felsen und Sand in der Atacama Wüste.