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Eine Spur mitten durch Madrid

Der Himmel über Madrid ist bewölkt an diesem Sonntagvormittag. Trotzdem strömen die Menschen, Einheimische und Touristen, nur so aus der Metro Station La Latina. Sie alle haben ein Ziel: el Rastro de Madrid.

Der in ganz Spanien bekannte Markt besitzt eine über 400-jährige Geschichte und zieht jeden Sonntag Hunderte von Menschen an. „Mindestens zwei Mal im Monat komme ich hierher“, erzählt Humber. Der 22-Jährige ist in La Latina groß geworden und kennt das Barrio in und auswendig. „Auf dem Rastro gibt es einfach alles. Als Kind bin ich oft mit meinem Bruder hier gewesen, um für wenig Geld zum Beispiel Videospiele zu kaufen.“

Humber, 22, ist in dem Viertel La Latina in Madrid groß geworden und besucht den berühmten Flohmarkt el Rastro regelmäßig.

Aus der Metro Station „La Latina“ strömen jeden Sonntag die Menschen, um das Lebensgefühl des Viertels zu genießen.

Von kuriosen Antiquitäten bis hin zu Kartoffelschälern, Möbeln und Second Hand Mode findet man alles auf dem Markt. Ein Stand reiht sich an den anderen und an jeder Ecke spielen Straßenmusikanten spanische Lieder und unterhalten das Publikum, das eine Traube um die Künstler bildet.

Egal ob Antiquitäten, Möbeln und Second Hand Mode – man findet alles auf dem Markt.

Woher der Name Rastro kommt und was er zu bedeuten hat, frage ich Humber. Dieser schmunzelt und sagt: „Ich bin zwar nicht Wikipedia, aber ich glaube, dass der Rastro (zu deutsch „Spur“) so heißt, weil, nachdem alle Stände abgebaut sind, immer eine kleine Spur zu erkennen ist und man weiß: hier ist etwas passiert.“

Damit hat er gar nicht so Unrecht. Dort, wo heute der Rastro stattfindet, befanden sich früher die Gerbereien der Stadt, ganz in der Nähe des Schlachthofs Matadero, der heute ein Kulturzentrum ist. Der Name Rastro hat seinen Ursprung aus den Zeiten, in denen beim Transport der Rinder zu den Gerbereien eine Blutspur entstand.

Der Markt spiegelt das ganze Lebensgefühl des Viertels La Latina, in dem er stattfindet, wider. Es ist ein bunt gemischtes Viertel mit viel Kultur, Ambiente und einer Tapas Bar, die sich an die nächste reiht. Es scheint, als sei hier jeder, egal welcher Herkunft, willkommen und als genössen alle gemeinsam die Unbeschwertheit des Viertels.

Der sonntägliche Besuch auf dem Rastro ist ein Ritual, das die Madrilenen und Touristen gleichermaßen pflegen.

Straßenmusikanten beleben die Gassen und lassen einen die kulturelle Vielfalt des Viertels zelebrieren.

„Ich bin lateinamerikanischer Herkunft und habe mein ganzes Leben hier verbracht. Bisher habe ich keine schlechten Erfahrungen mit Beleidigungen oder Intoleranz machen müssen“, erzählt Humber. Auch wenn er zunehmend Ausländerfeindlichkeit, auch in seinem Heimatviertel, wahrnimmt, ist er der Meinung, dass La Latina ein toleranter Ort ist und wir über unsere Verschiedenheiten hinwegsehen und gemeinsam nach vorne schauen sollten.