Alle Artikel in: Peru

Ein Christkind, das Unheil bringt …

„El Niño“ ist ein Naturphänomen, das immer wieder zur Weihnachtszeit an der Westküste Südamerikas auftritt. Zur heißesten Jahreszeit, in Südamerika stets zur Weihnachtszeit, erwärmt sich das Meer und es kommt zu extremen Niederschlägen, die zu Überflutungen und Erdrutschen führen. Dieses Phänomen wird der christlichen Jahreszeit entsprechend „El Niño“, „Das Christkind“ genannt. Dieses „Christkind“ bringt jedoch viel Leid, Zerstörung und Tod mit sich. *     Schon seit mehreren Wochen kam es in Peru, vor allem im Norden des Landes, zu sehr starken Regenfällen, die große Schlammlawinen entstehen ließen. Diese reißen alles mit sich, sodass es bereits 78 Tote gibt und über 100.000 Menschen obdachlos geworden sind. In Trujillo, in der Stadt, in der ich vier Monate in einer peruanischen Gastfamilie gelebt und mit peruanischen Kindern gearbeitet habe, herrscht Ausnahmezustand. Trujillo gleicht momentan einer abgeschotteten Insel: die Zufahrtswege in den Süden, wie auch in den Norden des Landes sind nicht zu passieren, sodass die Spenden nur über den Luft- und Wasserweg gebracht werden können. Zudem sind die Preise der Produkte in den Supermärkten enorm gestiegen und auch die Wasser- und Stromversorgung ebenso wie die Telefon- …

CAJAMARCA – Die Stadt des letzten Inkaherrschers

Die auf 2750 Metern liegende attraktive Kolonialstadt Cajamarca ist eine Stadt voller Geschichte. Sei es die spanische Eroberung oder die Legende eines Raums voller Gold und Silber – Cajamarca ist der Ort, an dem sich die Geschichte Südamerikas für immer veränderte.     Die dunkeln Wolken verdecken den sonst so strahlenden Himmel und auf einmal fängt es an wie aus Kübel zu regnen. Schon seit einer Weile kam es immer wieder zu Bergbränden rund um die Stadt Cajamarca, da man so den so lange ausbleibenden Regen erbat. Doch der Bann ist gebrochen und es regnet, als gäbe es kein Ende mehr. Das ist das erste Mal seit ich hier in Peru bin, dass ich Regen erlebe. Das Wasser stürzt die steilen Straßen der Stadt hinunter und dann hört es auf einmal so plötzlich wieder auf, wie es auch angefangen hat. Wenn man durch die Straßen Cajamarcas läuft, blickt man nahezu auf ein Meer aus hohen Palmblatthüten. Traditionell werden diese Hüte immer noch getragen, vor allem auch um vor der so starken Sonneneinstrahlung hier im Hochland zu schützen. Außerdem ist …

Großes Spendengeschenk! – Ein Trampolin fürs Kinderheim

„Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden. “ (Clemens Brentano)     Huanchaquito, 8:00 Uhr morgens. Die Sonne brennt heiß auf uns nieder und wir schmelzen dahin vor Hitze. Doch es ist ein besonderer Tag heute: Gemeinsam bauen wir das Trampolin auf, das meine Familie und Freunde für das Kinderheim Mundo de Ninos gespendet haben. Neben dem Kinderheim befindet sich eine Art Hof, wo sich zum einen ein Garten befindet und zum anderen ein kleiner Spielplatz geplant ist. Bis jetzt fehlt leider das Geld, um allein den Boden und die Wände fertig zu bauen. Deswegen kommt das Trampolin gerade richtig! Die Kinder sind die ganze Zeit über aufgeregt und fragen, wann sie endlich springen dürfen. Als wir endlich fertig sind, stürmen alle in den Innenhof und rufen: „Ich, ich, ich!“. Es dürfen immer maximal vier Kinder auf einmal hüpfen, weshalb das Gedränge groß ist. Aber natürlich darf jeder das Trampolin ausprobieren und die Kinder sind überglücklich! Ich danke allen Spendern von Herzen! Danke liebe Eva, danke liebe Lilo, danke liebe …

86. Geburtstagsfeier! – Eine peruanische Familientradition miterleben

Typischer geht es nicht: eine Geburtstagsfeier in Peru darf man nicht verpassen! Es wird zusammen gegessen, getanzt und gesungen. Die Familie gilt in Peru immer noch als wichtigstes Gut und steht über allem. Die einzelnen Rollen innerhalb der Familie sind dabei jedoch klar verteilt.     Riesige Sand- und Steingestalten ziehen am Fenster vorbei. Eine karge und trockene Landschaft umgibt uns. Zwischen den beeindruckenden Sanddünen führt eine einsame Straße hindurch. Sonst nur unendliche Weite, wohin ich auch auch blicke. Die Reise geht nach Chimbote, einer kleinen Hafenstadt südlich von Trujillo, woher die Familie Barreto stammt. Der Grund unserer Reise ist der 86. Geburtstag der Mutter meines Gastvaters. Als wir in der von Autos und Gehupe überfüllten Stadt ankommen, ist es bereits Nachmittag. Wir betreten das bunt gestrichene Wohnzimmer, wo an einem endlos langen Tisch bereits die ganze Familie dabei ist, das Mittagessen zu verspeisen. Der Tisch füllt das gesamte Wohnzimmer aus. Wir bahnen uns durch die vielen Leute hindurch, Kinder springen zwischen uns hin und her, während wir  jeden mit Küsschen begrüßen. Ich werde allen Tanten, Onkeln, Geschwistern, …

Wellenreiten schafft Selbstvertrauen!

Die Sonne versteckt sich hinter den Wolken und der Wind bringt Meeresluft mit sich. Noch sind wir im Innenhof von Mundo de Ninos, doch die Kinder springen auf und ab und fragen pausenlos: „Vamos? Vamos?“ Heute ist Montag. Jeden Montag geht ein Teil der Jungs zum Surfen, worauf sie sich schon die ganze Woche über zu freuen scheinen. Vera und ich schnappen uns die Kinder und laufen die staubige Straße hinauf, wo wir eilig zum angefahrenen Bus sprinten. In der wackeligen Blechkiste geht es nach Huanchaco. Dort befindet sich zum einen die Surfschule und zum anderen natürlich der Strand. Seit ungefähr sieben Jahren schon lernen die Kinder und Jugendlichen von Mundo de Niños dort Surfen und werden von der Surfschule als auch von dessen Surflehrer unterstützt. Papageienlaute und bemalte Totempfähle begrüßen uns in der kleinen aus Bambus und Holz gebauten Schule direkt am Meer.   Der Himmel ist immer noch bewölkt, es ist ein trüber Tag heute. Ganz im Gegensatz jedoch zu der Stimmung der Kinder. Mit großen Augen hören sie ihrem Surflehrer zu und können es …

Chimbote – zwischen Fischgestank und einer weiße Insel

Chimbote ist eine kleine Hafenstadt, die an einer natürlichen Bucht liegt. Sie befindet sich südlich von Trujillo und ist Perus größter Fischereihafen. Aus diesem Grund liegt auch ein dauerhafter Fischgeruch über der Stadt. Allerdings wird längst nicht mehr so viel Fisch gefischt wie noch vor ein paar Jahrzehnten und die Stahlindustrie der Stadt hat viel Umweltverschmutzung mit sich gebracht. Heute kann man an keinem Strand mehr baden. „Früher“, erzählt mir die Cousine Antonella, „haben meine Mutter und ihre Geschwister hier gebadet. Es gab einen wunderschönen Strand.“ Ich blicke über die dunklen Steine, die sich dort befinden, wo einmal ein Strand gewesen sein muss. Überall liegen leere Flaschen und Plastik herum.  Mein Blick wandert weiter übers Wasser. Unzählige Fischerboote in verschiedenen Farben sind zu sehen, im Hintergrund eine weiße Inseln, die Isla Blanca. Sie hat ihren Namen ihrer Farbe zu verdanken, die aufgrund der Ausscheidungen von Seevögeln, die diese Insel besuchen, entsteht. Chimbote ist mit 300 000 Einwohnern immer noch eine Großstadt, aber im Vergleich zu Trujillo ein „pueblo“ (Dorf), wie Antonella sagt. Die Stadt hat zwei Stadtteile, …

Über die Bedeutung von Familie – Kinderheim Mundo de Niños

„El vinculo que te une a una verdadera familia no es de sangre, sino de respeto y alegría por la vida de otro.“ – Richard Bach Was bedeutet Familie? Wer gehört zur Familie? Und wie wichtig ist Familie eigentlich? Am zweiten Sonntag im Monat September wird in Peru der Tag der Familie gefeiert. Die Familie ist der Grundbaustein der Gesellschaft und soll an diesem Tag besonders anerkannt und wertgeschätzt werden.   Die Sonne brennt und die bunten Farben an den Wänden strahlen. Beschwingende Musik und Alexiss‘ Stimme hallen durch den Innenhof. Heute ist der día de la familia und Mundo de niños, das Kinder- und Jugendheim in Huanchaquito, feiert diesen Tag gemeinsam. Alle Mitarbeiter, Volontäre und Kinder sind beisammen und spielen Gruppenspiele zum Thema „Familie“. Aspekte wie Respekt, Zuneigung, Liebe und Vertrauen werden besprochen, definiert und auf kleine Herzen geschrieben. Diese sind in den verschiedenen Spielen als Gruppe zu gewinnen. Es herrscht eine wunderschöne und ausgelassene Stimmung unter uns an diesem sonnigen Morgen. Ich beobachte die Kinder und Mitarbeiter und merke, wie viel das alles hier für beide Seiten bedeutet. …

Faszinierendes Erlebnis – von Freestyle Rapper überrascht

Ob mit Feuer jonglierende Artisten, Freestyle Rapper oder Musiker – die Stadt ist voll von ihnen! Eine einzige Busfahrt kann zu einer beeindruckenden Vorführung werden!   Endlich taucht er auf. Ich warte schon seit zehn Minuten sehnsüchtig. Zwischen den vielen tausend Taxiwagen sehe ich von weitem das Rot des Micro-Busses aufblitzen. Je näher der Bus kommt, desto lauter höre ich die gewohnten Rufe: „Huanchaco! Huanchaco! Huanchaco!“ Schnell hebe ich die Hand und nehme Anlauf, um nahezu während des Fahrens hineinzuspringen. Ruckartig fährt der Bus weiter und ich falle mehr oder weniger auf den noch freien Sitzplatz. Ehe ich mich versehe, befinde ich mich plötzlich inmitten einer Rap Vorführung. Direkt vor mir steht ein junger Typ und lässt einen schnellen Beat abspielen. Der Bus schaukelt hin und her, doch der junge Mann rappt ohne auch nur eine Pause einzulegen, den Arm lässig abstützend. Er trägt eine Hip Hop-Capy, ein langes graues T-Shirt und tief sitzende Hosen. Die spanischen Wörter fliegen mir nur so um die Ohren. Er ist viel zu schnell, als das ich ihm folgen könnte. Doch auf …

Gefangen im Labyrinth „Mayorista“

„El Mayorista“ ist ein Gigant! Er ist der größte Markt hier in Trujillo und ein einziges Labyrinth. Es gibt einen riesigen Schwarzmarkt, el mercado negro, wo es einfach alles gibt! Ob Schreibwaren, Fleisch, Gewürze, Schuhe, Taschen oder Shampoos. Auf „El Mayorista“ findet man alles zu unschlagbaren Preisen. Gerade noch roch es  nach frischen Früchten, jetzt stinkt es auf einmal nach faulen Eiern und Fisch. Dieser Ort schmeißt mich in ein einziges Meer aus Gerüchen und Farben. Zusammen mit meiner Freundin Catalina erkunde ich dieses Durcheinander und bin fasziniert vom regen Treiben, das uns umgibt. Vorbei an frischen Melonen und Avocados und wir finden uns auf einmal in lautem Gegacker und Gepiepe wieder. Unzählige Tiere, ob Hasen, Meerschweinchen oder Küken, befinden sich in viel zu großer Anzahl in viel zu kleinen, aufeinander gestapelten Käfigen. Wir sind regelrecht überfordert! Doch gleichzeitig übt das Chaos und das endlose Angebot eine unfassbare Anziehung auf uns aus. Der Markt in der Nähe des Hauses meiner Gastfamilie ist nichts dagegen. Hier aber stapelt und türmt sich alles. Ein Geruch verfolgt den nächsten. Und es gibt zu …