Autor: Mia

Eine Spur mitten durch Madrid

Der Himmel über Madrid ist bewölkt an diesem Sonntagvormittag. Trotzdem strömen die Menschen, Einheimische und Touristen, nur so aus der Metro Station La Latina. Sie alle haben ein Ziel: el Rastro de Madrid. Der in ganz Spanien bekannte Markt besitzt eine über 400-jährige Geschichte und zieht jeden Sonntag Hunderte von Menschen an. „Mindestens zwei Mal im Monat komme ich hierher“, erzählt Humber. Der 22-Jährige ist in La Latina groß geworden und kennt das Barrio in und auswendig. „Auf dem Rastro gibt es einfach alles. Als Kind bin ich oft mit meinem Bruder hier gewesen, um für wenig Geld zum Beispiel Videospiele zu kaufen.“ Von kuriosen Antiquitäten bis hin zu Kartoffelschälern, Möbeln und Second Hand Mode findet man alles auf dem Markt. Ein Stand reiht sich an den anderen und an jeder Ecke spielen Straßenmusikanten spanische Lieder und unterhalten das Publikum, das eine Traube um die Künstler bildet. Woher der Name Rastro kommt und was er zu bedeuten hat, frage ich Humber. Dieser schmunzelt und sagt: „Ich bin zwar nicht Wikipedia, aber ich glaube, dass der …

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Wie ich die Klimaheldin Minet traf

Die sogenannte COP23, die UN-Weltklimakonferenz, fand dieses Jahr vom 6. bis zum 17. November in Bonn statt. Gastgeber war der Inselstaat Fidschi, doch ausgetragen wurde die Konferenz in Bonn, wo das UN-Klimasekretariat sitzt. Während dieser zwei Wochen wurde das kleine Bonn plötzlich groß und ich traf Klimaheldin Minet aus den Philippinen…   Zuerst sehe ich nur ihren riesen großen, quietsche pinken Koffer. Er ist wirklich fast so groß wie sie selbst. „Bist du Minet?“, frage ich zögerlich. Sie lächelt erleichtert und ich helfe ihr mit ihrem Gepäck. Ich kenne Minet bereits ohne sie je vorher getroffen zu haben. Minet ist eine der zwölf starken Frauen, um die es in den Wochen der Klimaverhandlungen viel bei uns im CARE Büro ging. Minet ist eine Klimaheldin. Es ist ein besonderes Gefühl für mich, sie endlich treffen zu können. Auf meine Frage, ob sie nicht friere, antwortet sie lachend: „Nein, ich liebe das Wetter hier. Das ist wie eine kostenlose Klimaanlage!“ Auch ich muss lachen. Dass sie, die aus den Philippinen angereist kommt unser kaltes Novemberwetter als angenehm …

Weltmädchentag 2017

Veränderungen sind möglich – Weltmädchentag 2017

Heute ist Weltmädchentag, der „International Day of the Girl Child“. Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2011 den 11. Oktober offiziell zum Weltmädchentag erklärt. Aber wozu braucht man eigentlich einen Weltmädchentag? Ist nicht alles super hier? Seit ungefähr einem Monat arbeite ich nun bei der Hilfsorganisation CARE im Rahmen meines Bundesfreiwilligendienstes und täglich erreichen mich Geschichten von Menschen aus der ganzen Welt. Es gibt weltweit so viele Krisen und durch meine Arbeit bei CARE weiß ich immer ganz genau, was wo gerade passiert, denn CARE ist in 94 Ländern der Welt aktiv. In der Blase unseres Alltags vergessen wir jedoch oft, dass Gleichberechtigung von Männern und Frauen in vielen Teilen der Welt immer noch nicht Realität ist. Also, ja, hier ist in vielen Aspekten alles super, aber wie sieht es zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo aus? Gestern habe ich zwei Texte aus Kongo übersetzt, in denen ein sechzehnjähriges Mädchen davon berichtete, wie sie auf dem Weg zu einem Nachbarn von zwei Männern vergewaltigt und am Ende von ihrer Mutter dafür bestraft wurde. Sie bringe …

Ein Christkind, das Unheil bringt …

„El Niño“ ist ein Naturphänomen, das immer wieder zur Weihnachtszeit an der Westküste Südamerikas auftritt. Zur heißesten Jahreszeit, in Südamerika stets zur Weihnachtszeit, erwärmt sich das Meer und es kommt zu extremen Niederschlägen, die zu Überflutungen und Erdrutschen führen. Dieses Phänomen wird der christlichen Jahreszeit entsprechend „El Niño“, „Das Christkind“ genannt. Dieses „Christkind“ bringt jedoch viel Leid, Zerstörung und Tod mit sich. *     Schon seit mehreren Wochen kam es in Peru, vor allem im Norden des Landes, zu sehr starken Regenfällen, die große Schlammlawinen entstehen ließen. Diese reißen alles mit sich, sodass es bereits 78 Tote gibt und über 100.000 Menschen obdachlos geworden sind. In Trujillo, in der Stadt, in der ich vier Monate in einer peruanischen Gastfamilie gelebt und mit peruanischen Kindern gearbeitet habe, herrscht Ausnahmezustand. Trujillo gleicht momentan einer abgeschotteten Insel: die Zufahrtswege in den Süden, wie auch in den Norden des Landes sind nicht zu passieren, sodass die Spenden nur über den Luft- und Wasserweg gebracht werden können. Zudem sind die Preise der Produkte in den Supermärkten enorm gestiegen und auch die Wasser- und Stromversorgung ebenso wie die Telefon- …

Bunte Elefanten für bunte Kinder

Die Zahl an Straßenkindern in Peru ist enorm. Der Lebensabschnitt Kindheit ist in Peru der Zeitraum, der am wenigsten beschützt ist. Extrem viele Kinder sind einem sehr hohen Risiko ausgesetzt und müssen auf der Straße leben. Viele von ihnen wurden sowohl physisch als auch psychisch misshandelt und haben sehr instabile Familienverhältnisse, aus denen sie meistens geflüchtet sind. Sie leben auf der Straße, schlafen dort, sammeln Essen aus Mülleimern, rauben, betteln und nehmen Drogen. Die Jungs, mit denen ich im Kinderheim Mundo de Niños gearbeitet habe, haben genau dieses Schicksal erlebt. Das fällt mir oft immer noch schwer zu glauben, da sie so fröhlich und auch oft liebevoll sind. Sie sind ganz normale Jungs, die sich auch ab und zu raufen oder sich hin und her schupsen, aber viele von ihnen wollen oft einfach nur in den Arm genommen werden. Eines meiner größten Projekte in meiner Zeit im Kinder- und Jugendheim in Huanchaquito, wo ich vor allem Kunst unterrichtet habe, waren die bunten Elefanten auf der zuvor kargen Wand des Innenhofs. Zunächst grundierte ich zusammen mit ein paar Freunden die Wand …

Cidade Maravilhosa – RIO zwischen Karneval und Staatsverschuldung

Gegensätzlicher könnte eine Metropole nicht sein: Samba und Karneval treffen auf Favelas und Kriminalität. Dennoch strotzt die Stadt nur so vor Lebensfreude. Die exotische Natur der grünen Hügel, die endlosen weißen Strände und nicht zuletzt die Herzlichkeit der „Cariocas“ erobern jedes Herz im Sturm.     Wilde Trommel-Klänge und die Rufe der Tänzer schallen durch die Unterführung im Zentrum von Rio de Janeiro. Der Rhythmus geht durch den ganzen Körper und die Energie schießt nur so durch einen hindurch. Die Gruppe probt ihren Auftritt für den diesjährigen Karneval. Die Röcke der Frauen schleudern hin und her und die schweißnasse Haut glänzt im Licht der Straßenbeleuchtung. Alle tanzen und die Luft ist erfüllt von Lebensfreude. Als wir nach der Probe durch die Stadt laufen, passieren wir den Palácio Tiradentes, der mit Stahlzäunen verbaut ist. „So sieht unsere Regierung momentan aus …“, sagt die Schwester meiner brasilianischen Freundin, die ich gerade in Rio besuche, mit vielsagendem Blick. Wegen der letzten Demonstrationen der wütenden Bevölkerung wurde das Gebäude umzäunt. Auch wenn man bei Karnevalsstimmung, Sonnenschein und Caipirinhas nicht an Politik denken möchte, sind die Probleme doch nur zu offensichtlich. Der …

Strudel und Gartenzwerge – Ein Stück Heimat im Seengebiet Chiles

Es gibt Kuchen und Strudel, Blumenbeete und Gartenzwerge zieren die Gärten und die ältere Dame an der Kasse sagt zu mir in perfektem Deutsch: „Das macht dann viertausendfünfhundert, bitte“. Durch das Fenster erblicke ich den tiefblauen See und die saftig grünen Wälder drumherum. Man könnte fast meinen, ich wäre zu Hause in Deutschland. Tatsächlich liegt meine Heimat jedoch um die 14000 Kilometer weit über den Ozean hinweg entfernt. Denn ich befinde mich im Seengebiet, Región de los Lagos, im Süden Chiles, wo vor rund 150 Jahren die ersten deutschen Siedler ankamen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Hier gibt es nicht nur eine Deutsche Schule und eine deutsche Kirche, sogar auf den Feuerwehrautos steht nicht wie üblich „Bomberos“ , sondern in orange leuchtenden Buchstaben „Feuerwehr“. Die Deutsche Schule von Osorno, gegründet 1854. Das „Puppenhaus“ in Frutillar. Die Bomberos (Feuerwehr) aus Puerto Montt. Die Handweberei von Andrea Lindemann in Frutillar. „Wenn man einen Ort und seine Bewohner wirklich kennenlernen will,“ meint Willy, der uns zu den deutschen Wurzeln in Chile führt, „dann muss man zunächst einmal dessen Friedhof besuchen.“ …